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Wissensvorsprung für Ihre Praxis

"Typische Fehler bei der Erbfolgeplanung - und wie man sie vermeiden kann!" Ziel einer jeden sinnvollen Nachlassplanung soll in jedem Fall sein

  • Streit unter Miterben vermeiden,
  • die Pflichtteilshaftung des Erben reduzieren,
  • Gefahren des „Berliner Testaments“ begrenzen,
  • als Partner ohne Trauschein oder Single für den Erbfall vorsorgen,
  • steueroptimal Vermögen auf die nächste Generation übertragen
  • und finanzielle Vorsorge für den Todes- und Pflegefall treffen können.

Der hohe Beratungsbedarf soll anhand praxisnaher Beispiele dargestellt werden.



1. Nachteile und Gefahren der gesetzlichen Erbfolge

  • Die wirtschaftlichen Folgen der gesetzlichen Erbfolge entsprechen oft nicht dem Willen des Erblassers. Eine besondere Fürsorge für schwächere Familienmitglieder ist nicht möglich.
  • Ein Verkauf oder eine Belastung der Immobilien ist nur durch alle Erben gemeinsam möglich.
  • Über Verwaltungs- und Renovierungsmaßnahmen kann der überlebende Ehegatte nicht alleine entscheiden, sondern muss die Zustimmung der Miterben einholen. Auch eine Vermietung der Nachlassimmobilie ist nur bei Einwilligung der Miterben möglich. Es besteht also für den überlebenden Ehegatten immer der Zwang zur Einigkeit mit den Kindern.

    Beispiel: Soll das Haus oder die Eigentumswohnung renoviert werden, müssen alle Erben einen Teil der Kosten übernehmen. Verfügt eines der Kinder nicht über die genügenden Barmittel, unterbleiben oftmals notwendige Renovierungsarbeiten. Kann oder will der überlebende Ehegatte nicht mit eigenen Mitteln in Vorleistung treten, besteht die Gefahr, dass die Substanz der Immobilie geschädigt wird. Auch die Frage, ob der überlebende Ehegatte die zum Nachlass gehörende Immobilie allein nutzen darf, ist nur mit Zustimmung aller anderen Miterben zu beantworten. Fordert ein Miterbe die Vermietung, um Einnahmen zu erzielen, ist Streit vorprogrammiert.
  • Dem überlebenden Ehegatten steht aus dem Nachlass lediglich der so genannte Voraus, also die Haushaltsgegenstände, alleine zu. Das sonstige Vermögen, insbesondere Bargeld muss zwischen den Miterben und dem überlebenden Ehegatten entsprechend den Erbquoten aufgeteilt werden.
  • Möchte der überlebende Ehegatte die Nachlassimmobilie nach dem Erbfall alleine nutzen, können die Miterben verlangen, dass er anteilig ortsübliche Miete bezahlt.
  • Da bei einer Erbengemeinschaft jeder Miterbe jederzeit die Teilung des Nachlasses verlangen kann, können die Kinder als Miterben vom überlebenden Ehegatten fordern, dass ihnen ihr Anteil an den Nachlassgegenständen ausbezahlt wird.

    Beispiel: So kann etwa nach dem Tode des Vaters der Sohn als Miterbe das im Nachlass befindliche Familienwohnheim versteigern lassen und damit seine eigene Mutter aus dem gewohnten Lebensmittelpunkt vertreiben. Verfügt der überlebende Ehegatte nicht über die ausreichenden Barmittel, muss er u.U. ein Darlehen aufnehmen. Neben den ohnehin anfallenden Hauskosten muss dann der Witwer bzw. die Witwe auch noch die Kreditkosten für Tilgung und Zinsen tragen. Diefinanziellen Mittel für den persönlichen Unterhalt des überlebenden Ehegatten werden damit geschmälert. Gelingt es dem Witwer bzw. der Witwe nicht, die notwendigen Barmittel, gegebenenfalls durch eine Kreditaufnahme, zu beschaffen, droht die Teilungsversteigerung, bei der oft nur 50 - 70% des Verkehrswertes erzielt werden.
  • Gehört zum Nachlass ein Unternehmen, wird dessen Existenz durch die oftmals auftretende Handlungsunfähigkeit einer Erbengemeinschaft gefährdet. Wichtige unternehmerische Entscheidungen können deshalb nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung getroffen werden. Hierdurch kann die Versorgung des überlebenden Ehegatten erheblich gefährdet werden.
  • Die Möglichkeiten einer Erbschaftsteuerminimierung werden ohne Testament regelmäßig vernachlässigt.

Fazit:

  • Wer keine durchdachte letztwillige Verfügung trifft, verschafft seinen Hinterbliebenen oft genug ein gewaltiges Streitpotenzial, Vermögensverlust, vermeidbare Erbschaftsteuerlast und nicht selten auch eine ungerechte Vermögensverteilung. Solche Sorglosigkeit fügt der eigenen Familie Schaden zu und verrät einen Mangel an Verantwortungsgefühl. Diese Nachteile der gesetzlichen Erbfolge können nur vermieden werden, wenn der Erblasser durch ein klar formuliertes Testament vorsorgt. Aber Vorsicht: Laut STIFTUNG WARENTEST sind 90% aller privatschriftlichen Testamente fehlerhaft.
  • Erblasser, die keine Verfügung von Todes wegen errichten wollen, müssen rechtzeitig finanzielle Vorsorge treffen, damit z.B. der überlebende Ehegatte über die notwendigen liquiden Mittel verfügt, die anderen Miterben "auszuzahlen".

(Anmerkung: An dieser Stelle kann der Berater ansetzen.)

 



2. Pflichtteilsrisiko beim Berliner Testament

Beispiel:
Ein Ehepaar, das durch Ehevertrag Gütertrennung vereinbart hatte, setzt sich in einem „Berliner Testament“ wechselseitig zum Alleinerben ein und bestimmt weiter, dass nach dem Tod des Längerlebenden ihr gemeinsamer Sohn und die Tochter aus der 1. Ehe des Mannes Schlusserben sein sollen. Der Ehemann verstirbt und hinterlässt einen Nachlass im Wert von 1,2 Mio. EUR, der im Wesentlichen aus einem Einfamilienhaus besteht. Die Tochter verlangt von der Witwe den Pflichtteil.

Pflichtteilsbelastung der Witwe:
Der enterbten Tochter steht bei einer Pflichtteilsquote von 1/6 ein Pflichtteil von 200.000 EUR zu, der sofort mit dem Erbfall fällig und von der Witwe in bar auszuzahlen ist. Sollte diese nicht ausreichend liquide sein, bleibt ihr nur die Ausschlagung der Erbschaft oder die Veräußerung des Familienwohnheims. Die Versorgung im Alters- und Pflegefall ist damit stark gefährdet.

Erbrechtliche Abhilfemaßnahmen?

  • Ein notariell beurkundeter Pflichtteilsverzichtsvertrag zwischen dem Vater und den Kindern hätte die Witwe geschützt, wird aber in der Regel nur gegen Zahlung einer hohen Abfindung zu erlangen sein.
  • Ergänzende Regelungen im Testament (wie z. B. Pflichtteilsstrafklauseln) reduzieren lediglich die Gefahr der Pflichtteilshaftung, können diese aber nicht völlig ausschließen.

Fazit:
Die Gefahr einer u.U. existenzgefährdenden Pflichtteilsbelastung der Witwe kann durch erbrechtliche Gestaltungen alleine nicht beseitigt werden. Der Ehemann sollte deshalb finanzielle Vorsorge treffen, damit die Witwe den Pflichtteil bezahlen kann.

(Anmerkung: An dieser Stelle kann der Berater ansetzen.)

 



3. Steuernachteile des Berliner Testaments

Das Berliner Testament kann gerade bei größeren Nachlässen eine Erbschaftsteuerfalle darstellen, da unnötig hohe oder gar vermeidbare Steuerlasten ausgelöst werden können. Beim Tod des Erstversterbenden werden nämlich die Steuerfreibeträge der Kinder im ersten Erbfall nicht genutzt. Der auf die Kinder als Schlusserben übergehende Nachlass wird zudem zweimal besteuert – nämlich beim Tod des ersten und beim Tod des zweiten Ehegatten.

Verschärft wird die Situation zusätzlich dadurch, dass sich durch den ersten Erbfall der Wert des Nachlasses des Überlebenden erhöht und hierdurch wegen der Steuerprogression ein höherer Steuersatz ausgelöst werden kann. Es kann sich deshalb empfehlen, den Kindern beim Tod des Erstversterbenden Geldvermächtnisse in Höhe der Freibeträge zuzuwenden.

Beispiel: Die Ehegatten setzen sich gegenseitig als alleinige Vollerben ein; der gemeinsame Sohn wird Schlusserbe. Der Ehemann hinterlässt einen Nachlass von 1 Mio. €. Die von der Ehefrau zu zahlende Erbschaftsteuer errechnet sich (ohne Berücksichtigung des Versorgungsfreibetrages) wie folgt:

Erbschaft
1.000.000 €
abzgl. Freibetrag
500.000 €
zu versteuern
500.000 €
15% Steuer hieraus
75.000 €


Ein testamentarisches Vermächtnis zugunsten des Sohnes in Höhe des Steuerfreibetrages von 400.000 € hätte folgende Berechnung ergeben:

Erbschaft
1.000.000 €
abzgl. Vermächtnis
400.000 €
abzgl. Freibetrag
500.000 €
zu versteuern
100.000 €
11% Steuer hieraus
11.000 €


Die Steuerersparnis beträgt also 64.000 €.

(Bei der Berechnung wurde vorausgesetzt, dass keine Versorgungsfreibeträge der Ehefrau zur Verfügung standen, kein Zugwinn vorhanden war und sich auch keine steuerbefreites Eigenwohnheim im Nachlass befand)

Fazit: Die Gefahr einer hohen Pflichtteilsbelastung der Witwe kann aber nicht immer durch erbrechtliche Gestaltungen völlig beseitigt werden. Der Ehemann sollte deshalb finanzielle Vorsorge treffen, damit die Witwe die Erbschaftsteuer bezahlen kann.

(Anmerkung: An dieser Stelle kann der Berater ansetzen.)



4. Erbschaftsteuerbelastung bei Paaren ohne Trauschein

Beispiel: Erblasser E, geschieden und kinderlos, lebt seit über 15 Jahren mit seiner Lebensgefährtin L zusammen. Zur Absicherung im Alters- und Pflegefall setzt er diese testamentarisch als seine Alleinerbin ein. Nach seinem Ableben beträgt der Wert seines Nachlasses, der im Wesentlichen aus zwei Eigentumswohnungen besteht, 800.000 EUR.

Erbschaftsteuerbelastung der Lebensgefährtin:
Der nicht verheirateten Erbin steht lediglich ein Erbschaftsteuerfreibetrag von 20.000 EUR zu. Zudem fällt sie in die schlechteste Steuerklasse III. Die Steuerbelastung der erbenden Lebensgefährtin beträgt daher 234.00 EUR (30 % aus 780.000 €), sofort fällig im Erbfall.

Erbrechtliche Abhilfemaßnahmen?
Hätte E seine Lebensgefährtin geheiratet, stünde dieser ein Ehegattenfreibetrag von 500.000 EUR zu und die Witwe würde in die günstigste Steuerklasse I fallen. Ein etwaiger Zugewinnausgleichsanspruch der Witwe wäre komplett steuerfrei.
Außerdem wäre eine eigengenutzte Wohnung komplett steuerfrei übergegangen, wenn diese von den Ehegatten als Lebensmittelpunkt vor dem Erbfall genutzt wurde und die Ehefrau mindestens 10 Jahre weiterhin dort lebt.

  
Fazit:
Ohne Heirat kann durch erbrechtliche Gestaltungen die extrem hohe Erbschaftsteuerlast der Lebensgefährtin nicht reduziert werden. E muss also finanzielle Vorsorge treffen, damit L die anfallende Steuer bezahlen kann.

(Anmerkung: An dieser Stelle kann der Berater ansetzen.)



5. Absicherung des Pflegekostenrisikos

Beispiel:
Ehemann E, 54 Jahre, selbständig und Vater von zwei Kindern, die noch in Ausbildung sind, wird durch einen Verkehrsunfall schwerstpflegebedürftig und muss in einem Heim untergebracht werden. Die monatlichen Kosten hierfür betragen 5.000 EUR. Die Kreditraten für das fremdfinanzierte Familienwohnheim können von der nur in Teilzeit berufstätigen Ehefrau alleine nicht aufgebracht werden. Es droht deshalb die Zwangsversteigerung des Hauses.

Belastung der Ehefrau durch Pflegekosten:
Die Kosten allein für das Pflegeheim belaufen sich in nur 5 Jahren auf mindestens 300.000 EUR.

Fazit:
Der Ehemann muss finanzielle Vorsorge zur Absicherung des Pflegekostenrisikos treffen.

(Anmerkung: An dieser Stelle kann der Berater ansetzen.)